Michael Georg Link charakterisiert in der “Wissenspause” Theodor Heuss

 

Die Frage, ob Bundespräsident Theodor Heuss (1949 bis 1959) heute noch das höchste Amt in der Bundesrepublik erfolgreich übernehmen könne, beantwortete bei der letzten “Wissenspause” im Heilbronner Deutschhof eine größere Mehrheit der 120 Zuhörer mit einem klaren “Ja”. Professor Christhard Schrenk, Direktor des Heilbronner Stadtarchivs, konfrontierte unter dem Leitthema “Zehn Fragen an zehn Tagen” zuguterletzt mit dem Heuss-Thema. Mit seinem Gesprächspartner Michael Georg Link, FDP-Stadtrat in Heilbronn und Direktor des OSCE-Büros in Warschau (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa), führte Schrenk einen genau so lockeren wie intensiven Dialog.

Link erinnerte, laut Heuss sollten die deutschen Staatsoberhäupter wie er überparteilich agieren und sich nicht unbedingt ins politische Tagesgeschäft einmischen. Professor Schrenk brachte auch den Vergleich mit den letzten Präsidenten (Horst Köhler, Christian Wulff) und dem amtierenden Bundespräsident ins Gespräch ein. Link erklärte, der heutige Präsident Joachim Gauck habe mit Heuss gemein, dass sie beide nicht immer auf Parteilinie seien. Theodor Heuss, 1884 in Brackenheim geboren und in Heilbronn ab 1890 aufgewachsen, amtierte 1949 als deutscher FDP-Vorsitzender und wurde aufgrund dieses Amtes 1949 von der Bundesversammlung zum Bundepräsidenten gewählt. Anschließend wählte der Bundestag Konrad Adenauer (CD) zum ersten Bundeskanzler.

Michael Georg Link wies in diesem Zusammenhang auf den “auf höchster Ebene ausgetragenen Meinungsstreit zwischen Heuss und Adenauer” hin, der in einem 1989 dokumentierten Briefwechsel eindrucksvoll belegt ist. Einmal mehr schilderte Link den Bildungsbürger Theodor Heuss als Genussmensch, der auch in der provisorischen Bundeshauptstadt Bonn abends dem Brackenheimer Zweifelberg-Lemberger zusprach. “Aber das mit der Zigarre würde heute nicht mehr gehen”, fügte Michal Georg Link hinzu und beschrieb den Vergleich der heutigen Medienrepublik mit der Ära Heuss 1949 bis 1959. Deshalb müsste sich der liberale Freund der Künste mit dem hohen Qualitätsanspruch heute als Präsident umstellen aufs telegene Talk-Show-Zeitalter und auf eine kurzatmige Politik. Die Frage, ob Heuss diese auch internetgeprägte Politik mit gemacht hätte, wurde an diesem Abend freilich nicht beantwortet. Aber der Sohn aus dem beschaulichen Oberamtsstädtchen Brackenheim lebte ja in einer völlig anderen Zeit!

Wie Michael Georg Link am Rande der “Wissenspause” andeutete, bemüht sich Theodor-Heuss-Freundeskreis Baden-Württemberg, jetzt um eine Veranstaltung mit dem Heuss-Enkel Professor Dr. med. Ludwig Theodor Heuss, der in Basel lebt und arbeitet.

Siegfried Schilling

Präsidentenzimmer mit Besprechungstisch

Brackenheims Bürgermeister Rolf Kieser lädt auf 31. Januar zum 131. Geburtstag von Theodor Heuss ein. Der Grund, diesen ungeraden Geburtstag zu feiern: Der Stuttgarter Regierungspräsident Johannes Schmalzl übergibt Mobilar aus dem ehemaligen Amtszimmer von Professor Theodor Heuss aus dem württemberg-badischen Kultministerium an die Stadt Brackenheim. Der Großteil des Mobilars wird künftig im Präsidentenzimmer des Brackenheimer Rathauses ausgestellt  sein. “Als Übergang zwischen dem historischen Rathaus und dem im November 2011 eingeweihten Erweiterungsgebäude haben wir einen besonderen Raum geschaffen, in dem die Porträts aller Bundespräsidenten Deutschlands zu sehen sind. Neues Herzstück dieser kleinen Ausstellung wird der Besprechungstisch des ersten Bundespräsidenten sein”, schreibt Rolf Kieser in der Einladung. Am 31. Januar wird auch die neu gestaltete Homepage des Theodor-Heuss-Museums präsentiert. Andrea Hahn (Literaturbüro Marbach) wird mit Sprecher Tobias Grauer aus Heuss-Briefen zu Vorgängen zitieren, die über den Schreibtisch von Theodor Heuss als Kultminister (von 1945 bis 1946) wanderten.

Der liberale Geist von Theodor Heuss schwebte einmal mehr zum Jahresbeginn am Dreikönigstag im gut besetzten Ahnenkeller der Eppinger Palmbräu über den Köpfen von Mitgliedern und Freunden der Unterländer FDP, als Ernst Burgbacher, ehemaliger Parlamentarischer Staatssekretär in Berlin, die gewichtigte Bedeutung Liberaler im deutschen Politikbetrieb unterstrich. Der Hauptredner beim Politischen FDP-Dreikönig stellte fest, mit Angst werde derzeit in Deutschland Politik gemacht. Dabei erwähnte er Themen wie das Waldsterben oder die Immobilienblase in den USA, die durch Einmischung des Staates entstanden sei. Burgbacher warnte vor zu viel Staat und Reglementierung in Deutschland, zumal die “CDU eine sozialdemokratische Partei geworden ist”. Dazu nannte er ein griffiges Beispiel aus der neuen Landesbauordnung, die nun für jedes neue Wohnhaus einen überdachten Fahrradabstellplatz vorschreibt . . .

Burgbacher und Michael Link, Heilbronner FDP-Kreisvorsitzender, erinnerten in Eppingen einmal mehr an den im Mai 2014 verstorbenen Vorsitzenden des baden-württembergischen Theodor-Heuss-Freundeskreises, Staatssekretär a. D. Richard Drautz. Seine Witwe Monika Drautz trat ja inzwischen die Nachfolge in diesem Amt an. Und sie brachte dem Referenten Ernst Burgbacher ein bestens passendes Dankeschön-Präsent mit: Ein paar Flaschen aus dem Prädikatsweingut Drautz-Able, an deren weinbaulichen Ausbau noch Richard Drautz neben seinem Sohn Markus beteiligt war.                                                     Siegfried Schilling

Richard Drautz im Heilbronner Weinfilm

Kürzlich wurde der neue Film “Heilbronner Weinvielfalt” Journalisten vorgestellt. In dem 76-Minuten-Streifen von Hajo Baumgärtner (Leingarten) trifft man den im Mai dieses Jahres völlig überraschend verstorbenen Richard Drautz, Gründer und erster Erster Vorsitzender des Theodor-Heuss- Freundeskreis Baden-Württemberg, an. Ex-Staatssekretär und Weinbaumeister Drautz sitzt inmitten einer Experten-Runde, die den Filmemacher bei der Regie fachmännisch beraten hat. So bleibt Richard Drautz mit diesem Dokument über den Heilbronner Weinbau in Geschichte und Gegenwart sozusagen erhalten.

“Er fehlt mir sehr” meinte bei dieser Gelegenheit Karl Seiter, Geschäftsfüher der Heilbronner Weingärtnergenossenschaft. Er äußerte damit das Mitgefühl, das zum Todes von Richard Drautz letzte Woche im populären Heilbronner Weindorf an allen Ecken und Enden zu hören war. “Ridschie” hatte ja das familäre Heilbronner Weingut Drautz-Able zu einem Mitglied des Verbandes Deutscher Prädikatsweingüter enntwickelt, er pflegte andererseits aber auch vielfältige Verbindungen zu den Kollegen des Genossenschaftswesen, das ja im württembergischen Weinbau dominiert. Dazu war Richard Drautz als einziger Heilbronner Wengerter ab 1986 in der Forschungsgruppe HADES engagiert. Und zwar zusammen mit den Weingütern Fürst Hohenlohe-Oehringen, Graf Adelmann in Kleinbottwar, Jürgen Ellwanger in Winterbach und der Familie Fischer, Sonnenhof in Vaihingen-Gündelbach. Aus den ersten Buchstaben ihres Betriebsnamen ergab sich die Bezeichnung HADES. Dabei war auch das Staatsweingut Weinsberg.

Heute ist klar: Ohne HADES hätte das kleine Eichenfaß nicht so rasch seinen Siegeszug im deutschen Weinbau gemeistert. Die Weinreifung im kleinen Eichenfaß (Barrique) beeinflußt die Weinqualität merklich. Die Winzer erwarten von der Holzbehandlung Vanille- und Schokoladearomen, aber auch würzige Geschmacksnoten wie Rauch und Kaffee und nicht zuletzt mehr Körper für den Wein. Die Hadesgruppe forschte, wie lange der Wein im Eichenfaß lagern sollte oder welches französische oder deutsche Holz für welche Weinsorte geeignet ist. Richard Drautz weihte wenige Tage vor seinem Tod am 7. Mai noch seinen neuen Weinfaß-Keller im Hause Faißtstraße in Heilbronn ein. Inzwischen leiten seine Witwe Monika Drautz, die neue Vorsitzende Theodor-Heuss-Freundeskreises (THF), und ihr Sohn Markus das Pädikatsweingut.

Richard Drautz bewegte sich nicht nur politisch in der Spur von Theodor Heuss, sondern auch weinbaumäßig. Schrieb doch der erste deutsche Bundespräsident als Zwanzigjähriger bis 1905 seine Doktorarbeit über “Weinbau und Weingärtnerstand in Heilbronn a. N.”. Dieses Werk wurde inzwischen mehrfach nachgedruckt. Zuletzt wurde es 2009 herausgegeben von THF-Beiratsmitglied Professor Dr. Christhard Schrenk (Heilbronner Stadtarchiv) und der Reinhold-Maier-Stiftung. Heuss blieb mit seiner Geburtsstadt Brackenheim und der Stadt seiner Schulzeit, Heilbronn, während seiner Präsidentenzeit von 1949 bis 1959 eng verbunden. In Heilbronn insbesondere mit dem Wengertesstand, mit dem er viele Freundschaften pflegte. Auch der Großvater von Richard Drautz war mit Theodor Heuss wohlbekannt. Nichtdestotrotz bevorzugte der Präsident in erster Linie den roten Brackenheimer Zweifelberg-Lemberger.

Der Film “Heilbronner Weinvielfalt” wird am 9. Oktober 2014 erstmals in der Heilbronner Kreissparkasse öffentlich gezeigt. In den aktuellen Stoff wurde ein historischer Film über den Heilbronner Trollinger von Berufsfeuerwehrmann Kurt Züfle, gedreht von 1962 bis 1965, eingearbeitet. Ab dem 9. Oktober ist die DVD zum Preis von 19,90 Euro im örtlichen Buchhandel und im Heilbronner Stadtarchiv zu kaufen.

Siegfried Schilling

Neue Vorsitzende im Heuss-Freundeskreis

Die Vorstände Michael Link und Monika Drautz

Die Vorstände Michael Link und Monika Drautz

Monika Drautz und Michael Georg Link wurden als Nachfolger von Richard Drautz gewählt

Als Nachfolger des im Mai dieses Jahres verstorbenen Richard Drautz wurden seine Frau Monika Drautz und Michael Georg Link zu Vorsitzenden des Theodor-Heuss-FreundeskreisesBaden-Württemberg Baden-Württemberg (THF)gewählt.

Bei der Mitgliederversammlung des Freundeskreises am 31.8.2014 im Schloß Ingersheim bei Ludwigsburg erinnerte der Interimsvorsitzende Harald Leibrecht an die große Trauerfeier, bei der mehr als tausend Weggefährten in der Heilbronner Kilinskirche am 14. Mai Abschied von Richard Drautz nahmen. Der frühere Heilbronner Stadtrat und Staatssekreär im baden-württembergischen Wirtschaftsministerium (2006 bis 2011) war Gründer und 25 Jahre Vorsitzender des Heuss-Freundeskreises. Auf  Vorschlag von Leibrecht wählte die Versammlung Monika Drautz, Mitinhaberin des Heilbronner Prädikatsweingutes Drautz Able, mit dem ehemaligen Staatsminister und Heilbronner Stadtrat Michael Georg Link zu gleichberechtigten Vorsitzenden. Ebenfalls einstimmig wurden gewählt Schatzmeister Professor Dr. Volker Stadie (Heilbronn), Schriftführer Jörg Bremer (Schwäbisch Hall) sowie die Beisitzer Susanne Blach (Brackenheim), Professor Dr. Christhard Schrenk (Heilbronn), die Bürgermeister Volker Godel (Ingersheim) und Rolf Kieser (Brackenheim) sowie Klaus Griese (Kupferzell). Beratend ist Jochen Merkle von der Stuttgarter Reinhold-Maier-Stiftung für den THF tätig.

Beim Theodor-Heuss-Freundeskreis sind über hundert Mitglieder aus ganz Baden-Württemberg engagiert. Dabei ist neuerdings auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Eberhard Gienger und Heuss-Enkel Professor Dr. med. Ludwig Theodor Heuss aus Basel. Einziges

Ehrenmitglied ist seit 2013 Walter Scheel (“Hoch auf dem gelben Wagen . . .”), Bundespräsident von 2004 bis 2009.

Harald Leibrecht erwähnte in seiner Rückblende die zahlreichen Gedenkveranstaltungen, die anläßlich des 130. Geburtstages und 50. Todestages des ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss (1949 bis 1959) in seiner Geburtsstadt Brackenheim und in der Stadt Heilbronn, in der er seine Jugendjahre verbrachte. Beachtlich war hierbei die Jubiläumsschau “Theodor Heuss und die Kunst” dieses Jahr vom März bis Juni in der Heilbronner Kunsthalle Vogelmann, mit der die zeitlebens enge und äußerst vielschichtige Beziehung des Staatsmannes, Journalisten und Literaten zu Kunst und Künstlern eindrucksvoll ins Blickfeld gerückt wurde.

Michael Georg Link, seit 1. Juli Direktor des OSCE-Büros in Polen (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa), erklärt in einem Rundbrief an die Unterländer FDP-Mitglieder als kommissarischer Kreisvorsitzender: “Es für mich eine Selbstverständlichkeit, die Arbeit unseres langjährigen Vorsitzenden Richard Drautz in seinem Sinne fortzuführen”. Dies macht Link nun auch im Theodor-Heuss-Freundeskreis.

Von Siegfried Schilling

 

 

Sebastian Koch und Theodor Heuss

Prächtig fand sich der populäre Schauspieler Sebastian Koch in die Charakteristik des ersten Bundespräsidenten ein, als er dieser Tage zur Lesung “”Koch liest Heuss” in der Heilbronner Kreissparkasse auftrat. Die Zuhörer spürten deutlich, daß  der 51-jährige Koch von dem Bundespräsidenten der Jahre 1949 bis 1959 und dessen literarische Klasse sichtlich begeistert ist. Wie wenn die Briefe und Reden von Heuss aus Kochs eigener Feder geflossen wären: Der prominente Vorleser macht sich Heuss´ Worte und Meinungen sozusagen zu eigen und läßt so Zeitgeschichte und Bilder entstehen. Die Lesung in der Sparkasse gehörte zu dem umfangreichen Beiprogramm, das die Schau “Theodor Heuss und die Kunst” in den Städtischen Museen Heilbronns vom März bis Ende Juni begleitet. Nicht nur das Heilbronner Publikum, auch viele prominente auswärtige Besucherinnen und Besucher sind erstaunt über den unermüdlichen und geradlinigen Kulturpolitiker Heuss, in Brackenheim im Zabergäu 1884 geboren und ab 1890 in Heilbronn aufgewachsen. Sebastian Koch, ein Stuttgarter, war aber bereits 2009 über “die große literarische Qualität” völlig überrascht, als er Heuss-Texte zu dessen 125. Geburtstag vorlas. Unter dem Titel “Der unterschätzte Präsident”. So wurde Koch damals in der “Süddeutschen Zeitung” zitiert: “Der Festakt war dann so eine typische Politikveranstaltung; Klaus Kinkel hat eine Rede gehalten, und im Publikum haben sie geschlafen. Als ich dann auf die Bühne kam, da hat der Saal nach wenigen Sätzen umgeschaltet. Einer nach dem anderen hat Heuss zugehört. Das fand ich beeindruckend, daß diese Texte heute noch so viel Kraft haben”. Damals gab Sebastian Koch folgende parlamentarische Tipps: “Jeder von den deutschen Abgeordneten sollte Heuss hören und sich fragen, warum er mal in die Politik gegangen ist”.

Siegfried Schilling

Heilbronner Stimme: Abschied voller Achtung

Heilbronn
Mehr als tausend Weggefährten aus Politik, Weinbau, Serviceclubs und Freundeskreisen bei der Trauerfeier für Richard Drautz

Von unserer Redakteurin Iris Baars-Werner

Abschied voller Achtung
In der Kilianskirche erwiesen Trauergäste aus der Region, Baden-Württemberg und Deutschland in einem Gottesdienst Richard Drautz die letzte Ehre.
Foto: Andreas Veigel

“Überwältigend viele Menschen gehen diesen Weg mit Euch”, tröstete Dekan Otto Friedrich die Trauerfamilie. Mehr als tausend Trauergäste nahmen gestern in der Kilianskirche Abschied von dem Heilbronner Weingärtner und FDP-Politiker Richard Drautz. Der 61-Jährige war völlig überraschend eine Woche zuvor an einem Herzversagen gestorben. “Schockiert”, wie es Oberbürgermeister Harry Mergel schilderte, “fassungslos” wie es der frühere FDP-Staatsminister Michael Link nannte: Den meisten war es wohl so gegangen, als sie vergangene Woche die Todesnachricht erhielten.

Prominenz

Der frühere CDU-Ministerpräsident Erwin Teufel erwies dem liberalen Weggefährten aus zwei Jahrzehnten Landtagsarbeit die letzte Ehre, der ehemalige FDP-Außenminister Klaus Kinkel führte die lange Liste der einstigen Größen der liberalen Bundes- und Landespolitik an (Dirk Niebel, Otto Solms, Ernst Pfister und viele mehr). Die aktuelle Politiker-Riege der FDP war vertreten durch den Landesvorsitzenden und den Fraktionschef, Michael Theurer und Hans-Ulrich Rülke, die Landesregierung durch Innenminister Reinhold Gall und Staatssekretär Ingo Rust (beide SPD). Stadt- und Landkreischefs, Abgeordnete und Stadträte, Behördenleiter und Verwaltungsmitarbeiter: Viele, mit denen der Kommunal- und Landespolitiker Richard Drautz zusammengearbeitet hatte, kamen in die Kilianskirche.

“Für das Wohl seiner Heimatstadt setzte er sich ein”, schilderte Harry Mergel die Fähigkeit von Richard Drautz, die Stadtratskollegen zum Kompromiss zu bewegen. Der Oberbürgermeister erinnerte auch daran, dass man unterschiedlichen politischen Lagern angehören und trotzdem mit Richard Drautz eine persönliche Freundschaft pflegen konnte.

Dem “Wengerter mit Leib und Seele”, wie Otto Friedrich ihn nannte, erwies der Berufsstand auch an diesem Tag die Achtung, die er ihm zu Lebzeiten entgegengebracht hatte. An “Richie, undogmatisch und unkonventionell, im Heimischen verwurzelt wie seine Reben” erinnerte für seine Weinbaukollegen, die aus ganz Deutschland angereist waren, für das Barriqueforum und die Prädikatsweingüter Michael Graf Adelmann.

Freunde

Den “herzensguten Menschen”, der Freundschaft und soziales Engagement pflegte, schilderte Ulrich Kowalski für den Freundeskreis und die Serviceclubs Rotary, Round Table und Old Table. “Das Interesse an den Menschen prägte seine Arbeit, Treue war ihm wichtig”, ließ der frühere Staatsminister im Auswärtigen Amt und Heilbronner FDP-Repräsentant Michael Link die politische Arbeit von Richard Drautz Revue passieren. Er nannte ihn “einen freien Demokraten im besten Sinne”. “Auf, weitermache, schaffe, würde er sagen”, schloss Link: “So machen wir es.”

Auszug aus der “Heilbronner Stimme” vom 15. Mai 2014

Theodor-Heuss-Freundeskreis trauert um seines allzu früh, unerwartet, tragisch verstorbenen, langjährigen Vorsitzenden, Staatssekretär a. D. Richard Drautz

Am 7. Mai 2014 verstarb allzu früh und unerwartet, auf tragische Weise, unser bisheriger, seit Gründung des Vereins im Jahre 1988 ehrenamtlich engagierter Vorsitzender, Staatssekretär a. D. Richard Drautz, im Alter von erst 61 Jahren. Mit großem Erfolg und unermüdlich engagierte er sich für unseren parteiunabhängigen und gemeinnützigen Freundeskreis. Sein Tod hinterlässt eine unersetzliche Lücke. Seine humorvolle, bescheidene, liebenswerte, bodenständige, liberale Grundhaltung wird unvergesslich und vor allem Mahnung und Vorbild für die Zukunft bleiben. Wir gedenken in Dankbarkeit einer hochverdienten, allseits geschätzten Persönlichkeit unserer Heimat und unseres Landes Baden-Württemberg! Sein Wirken bleibt uns unvergessen. Wir gedenken in Dankbarkeit eines allseits geschätzten Politikers und Winzers, der unser Land maßgeblich geprägt hat. Bis zur Wahl eines Nachfolgers übernimmt MdB a. D. Harald Leibrecht – als langjähriger Weggefährte – den Vorsitz des Vereins.
Unser aller Mitgefühl gilt seiner Ehefrau Monika und Sohn Markus sowie der ganzen Familie.

Richard Drautz – Traueranzeige des Landes Baden-Württemberg

50. Todestag Theodor Heuss

Stadt Köln gedenkt ihres Ehrenbürgers und des Bundespräsidenten

Am Donnerstag, 12. Dezember 2013, jährt sich zum 50. Mal der Todestag von Bundespräsident Theodor Heuss. Am 26. August 1959 verlieh der damalige Oberbürgermeister Theo Burauen Theodor Heuss die Ehrenbürgerwürde. In seiner Dankesrede sprach er von seiner Bewunderung für den überparteilichen Kölner Bürgersinn, der sich bei der Durchsetzung vieler Projekte bewährte. Eine “Kölsche Fraktion” mit Abgeordneten verschiedener Parteien im Landtag Nordrhein-Westfalens und im Bundestag seien zur Stelle gewesen, wenn die Interessen der Domstadt wahrzunehmen waren.

Am 31. Januar 1884 in Brackenheim geboren, studierte Heuss Nationalökonomie, Literatur, Geschichte, Philosophie, Kunstgeschichte und Staatswissenschaften an den Universitäten in München und Berlin. Seine ersten Berufserfahrungen sammelte er als politischer Redakteur der Zeitschrift “Die Hilfe”. Später schrieb er für große Tageszeitungen, Feuilletons und Magazine mit den Schwerpunkten Politik sowie Architektur und Design. Von 1920 bis 1933 war er Studienleiter und Dozent an der Deutschen Hochschule für Politik in Berlin. Von 1923 bis 1926 gab er die Zeitschrift “Die Deutsche Nation” heraus. Seine politische Laufbahn begann 1903, als Delegierter auf dem letzten Parteitag des Nationalen Vereins. Von 1924 bis 1928 und 1930 bis 1933 war Heuss Abgeordneter des Deutschen Reichstags. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er Mitgründer der Rhein-Neckar-Zeitung und wurde Mitglied des Landtages von Württemberg-Baden, zunächst für die Demokratische Volkspartei, später für die Freie Demokratische Partei (FDP).

Im Dezember 1948 wurde er auf dem Gründungsparteitag der FDP zum Vorsitzenden von Westdeutschland und Berlin gewählt und war Mitglied des Parlamentarischen Rates zur Erarbeitung des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland. Heuss wurde in den ersten Deutschen Bundestag gewählt und noch im selben Jahr von der Bundesversammlung zum ersten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland. Als höchster Repräsentant machte er sich verdient, indem Theodor Heuss der noch jungen Republik im Ausland zu neuem Ansehen verhalf.

Stadt Köln – Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Nicole Trum

Jetzt Theodor-Heuss-Platz in Ulm (fr. Westplatz)

UlmDer Westplatz in der Ulmer Weststadt wurde am 12. Dezember 2013 in Theodor-Heuss-Platz umbenannt. Damit erinnert die Stadt an den ersten Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland, dessen Todestag sich am 12. Dezember 2013 zum 50sten Mal jährte.

In einem gemeinsamen Antrag hatten die Gemeinderatsfraktionen von CDU, FDP und FWG gefordert, einen Platz in Ulm nach Heuss zu benennen. Sie erinnerten in ihrem Antrag daran, dass “alle herausragenden Gründungsväter unseres Landes, wie etwa Konrad Adenauer, Ludwig Erhardt und Willy Brandt, durch Benennung von Bauwerken und Plätzen geehrt” worden seien. In Abstimmung mit Oberbürgermeister Ivo Gönner wurde der Westplatz ausgewählt.

Insgesamt hat Theodor Heuss Ulm zwischen 1931 und 1958 mindestens sechsmal besucht – wenn auch nur einmal offiziell in seiner Funktion als Bundespräsident. 1931 hielt er im Saalbau als Reichstagsabgeordneter der DDP eine Rede aus Anlass der jährlichen Verfassungsfeier – zwölf Jahre zuvor war die Weimarer Verfassung unterzeichnet worden. Die nächsten drei Ulm-Besuche Anfang der 50er Jahre waren mehr oder weniger lange Zwischenstopps auf Reisen in den Urlaub, bei denen Heuss aber auch den Kontakt zum damaligen Ulmer OB Theodor Pfizer pflegte, mit dem er persönlich bekannt war. Ende Mai 1953 nahm der populäre Bundespräsident am Deutschen Feuerwehrtag teil, der in Ulm stattfand. Das letzte Mal war Heuss im Juli 1958 zu Gast in Ulm: Er stattete der noch jungen Hochschule für Gestaltung einen Besuch ab, anschließend führten ihn Dekan Dr. Seifert und Oberbürgermeister Pfizer durchs Ulmer Münster.

Heuss verstarb am 12. Dezember 1963, sieben Wochen vor seinem 80. Geburtstag, in seinem Stuttgarter Wohnhaus, wo er seit 1959 im Ruhestand gelebt hatte. Er wurde auf dem Waldfriedhof Stuttgart bestattet.

Text: Stadt Ulm

Liberale fordern dauerhafte Erinnerung an den ersten Bundespräsidenten

Flughafen Stuttgart(Stuttgart) Drei Stadtgruppen der FDP in Stuttgart haben sich 2013 auf einer gemeinsamen Mitgliederversammlung in Luginsland einstimmig für die Benennung des Stuttgarter Flughafens in „Theodor-Heuss-Flughafen“ ausgesprochen. Am 50. Todestag des ersten Bundespräsidenten, der in Anwesenheit von Bundespräsident Joachim Gauck in Stuttgart begangen worden war, beschlossen die Mitglieder diese Forderung an Stadt und Land.

„Theodor Heuss war über Parteigrenzen hinweg eine bedeutende Persönlichkeit, die den Menschen in Deutschland nach den Schreckensjahren von Krieg und Naziterror wieder Vertrauen in die Demokratie gegeben hat“, so der Cannstatter Vorsitzende Jan Havlik. „Eine dauerhafte Erinnerung ist an der Zeit. Theodor Heuss verband Weltoffenheit mit Bodenständigkeit und Heimatliebe. Daher ist sein Name für den Flughafen geradezu prädestiniert“, so sein Amtskollege Michael Marquardt. Der Vorsitzende der Liberalen im Stuttgarter Osten, Federico Busarello, kündigte an: „Wir werden für unseren Vorschlag nicht nur in der FDP, sondern selbstverständlich bei allen Bürgerinnen und Bürger werben. Das hätte Theodor Heuss auch so gewollt.“

Die drei Stadtgruppen haben beschlossen, bis zum 130. Geburtstag von Heuss im nächsten Jahr am 31. Januar auf allen Ebenen und im Gemeinderat diesen Vorschlag einzubringen.

– See more at: http://www.fdp-stuttgart.de/2013/12/14/fdp-stadtgruppen-fuer-theodor-heuss-flughafen/#sthash.TgV0wiFQ.dpuf

HEUSS-ARTIKEL Dr. Raff seit 2002 (Stuttgarter Zeitung)

Raff und Weizsäcker

Seit Januar 2014 unterstützt “Landeshistoriker” Dr. Gerhard Raff als aktives Mitglied den Theodor-Heuss-Freundeskreis Baden-Württemberg e. V.

Raffs Raritäten CMXV

Unser Landsmann und Vetter Theodor

Dr. Raff erinnerte an den vor 50 Jahren verstorbenen Bundespräsidenten Theodor Heuss.

Was soll mr/man denn da bloß mache/n? Da stoht/steht der Verf. de gschlagene/den ganzen Tag lang uff/auf dem Schlossplatz am Stand von Weihnachtsmann & Co ond/und verscherbelt/verkauft ond/und signiert außer sei/ne/m schwäbische/n Klassiker „Herr, schmeiß Hirn ra!“ (Herrgott, wirf Verstand herunter! 25.Ufflag/Auflage) au/ch no/ch sein/en ällerneueste/nagelneuen Benefizbestseller „Gerhard Raff Kann auch Hochdeutsch“. Ond/und die Leut/e ganget au/ch druff nei wie a Gaas uff en Äpfelbutze/greifen zu wie im Ostblock bei den Bananen.

Ond/und de/die oinen/einen (selbst Hiesige) saget/sagen: Endlich! Des/das Schwäbische isch/ist so schwer zom/zum Lese/n. Sie sottet/sollten en/in dr/der Zeidong/Zeitung emmer/immer hochdeutsch schreibe/n! Andere (sogar Reigschmeckte/Zuwanderer) aber moinet/meinen: Schreibet/schreiben Sie bitte obedengt/unbedingt bloß/nur em/im Dialekt weiter. Des/das Schwäbische isch so schee, des därf net aussterbe/ist so wunderschön, das darf nicht untergehen. Bsonders/besonders deutlich (hättet Ihr dees denkt?/man denke nur!) hat des/das am Sonntich/Sonntag a/ein Ma/nn aus dem große Vatterland/mit preußischem Migrationshintergrund ond/und a/ein granadamäßig/überaus gscheiter/kluger Kölner ausdrücklich wölle/wollen. En scheene Grueß!

Was soll mr/man denn da bloß mache/n? Mr/man fragt da am beste/n den König Salomo, was der jetz/t moine/entscheiden dät/würde. Und/ond der moint/entscheidet: „Mal so, mal so!“

Also denket mir heut uff Schwäbisch an onsern erste Bundespräsidente, Degerlocher Mitbürger, Landsmann ond Vetter Theodor Heuss, der wo am 12.Dezember 1963 (als wär’s erst gestern gwä) en Stuegert an seine Raucherfüeß gstorbe isch. Ond bei seiner Leich ben i vor dr Stiftskirch gstande, ond i seh jetz no die ganze Kerle vor mir, wo da eiglade gwä send, vom Adenauer über de Lübke bis zom Scheel, ond die viele, viele jonge Bürschle, schwarz wie dr Keenich Balthasar ond em schwarze Frack ond mit Zylender, älles Diplomate aus dene ganz frisch oabhängig wordene Staate en Afrika.

Ond i seh onsern Vetter Theodor („Eine schwäbische Genealogie, die über die Großmutter Kallenberger auf die Filder und nach Degerloch führt“ zu dene Raff) no leibhaftig vor mir, wie er anno 60 als Pensionär mit seiner Zigarr uff dem Bänkle em Ramsbachtal ghockt isch ond freundlich grüeßt hat ond sein Hut razoge, wie mei Muetter mit ihrem letzte Kuehfuhrwerk vom Flecke ond mir des Heu hoimgfahre hat.

Dr Theodor hat ja hie von 1945 bis 1949 en dr Löwestraß 86 gwohnt, ond mei Dote (Patentante) Aline hat schräg vis-à-vis en dr Nommer 83 a Konditorei ghet, ond da hat sei Elly emmer ihre Kueche, Tortene, Gugelhopf ond Hefezöpf gholt. Ond wie die zwoi no nach Bonn omzoge send, hat mei Dote bis zletzt no äll Christtag die Sprengerle, Guetsle ond Ausstecherle en dui Villa Hammerschmidt schicke därfe, ond se hend emmer so lieb Dankschee gsait ond gschriebe.

Ond oineweg dass emmer wieder von dr FDP/DVP ond andere reachte Leut em Blättle ond em Gmeinderat gfordert worde isch, dass an des Degerlocher Haus a Gedenktafel für den Stuegerter Ehrebürger nakomme soll, hend die Knicker Klett, Rommel & Schuster nie en Pfennig drfür übrig ghet. Ond deswege hat se halt sei Degerlocher Verwandtschaft en d’Händ gnomme zom 50.Todestag von dr Elly anno 2002. Gmacht hat se dr Markus Wolf ond zahlt hat se mei „Frau Base“ Sibylle Fischer, em Robert Bosch seim Mädle Dr. Margarete Fischer-Bosch ihr Schwiegertochter. Bei dene „uff dr Villa“ en dr Roßhaustraß hat emmer dr Albert Schweitzer gwohnt, wenn’r zom Benefizorgle für sei Spital en Lambarene uff hie komme isch. Der hat ja anno 1908 dui Elly ond den Theodor en Straßburg traut ghet.

Ond bei dere Feier isch au dui Nichte Hanna Frielinghaus-Heuss drbei gwä, dui hat den Bestseller mit dene wonderscheene „Heuss-Anekdoten“ gschriebe ond hat gmoint, der „Herr Vetter“ sott no meh so Denkmal für ihren Onkel mache lasse. Ond mir hend gfolgt, Heilbronn isch ebbes worde ond Sielmenge, aber für dui deutsch-franzeesische Tafel an dr Hochzichskirch en dere Stuegerter Partnerstadt Straßburg zom 100.Hochzichstag hend mr au nach jetz sechs Jahr no koi Antwort kriegt aus dem Rathaus uff onser (kostenloses) Agebot, trotzdem dass mr da em Blättle emmer wieder amol nachgfragt hend… Dui ganz Gschicht isch en dem neue Hochdeutsch-Buech dren. Ond der resignierende Verf. stoht en seiner Wohltätigkeitsgschaftelhuberei au am nächste ond übernächste Sonntich de gschlagene Tag bis en d’Nacht nei uffem Schlossplatz rom ond signiert, au wenn er (inflationsbedingt) sei Provisio von seither 0,0 Promille jetz uff satte 0,0 Prozent uffgschlage hat…

NACHTRAG:

 

Raffs Raritäten CMXVII

 

Von Staatsoberhäuptern und Weltraumpionieren

 

Dr. Raff erinnerte auch nochmals an Ernst Stuhlinger und Theodor Heuss.

 

Auch mit Rücksicht auf den heutigen 85.Geburtstag von Manfred Rommel seligen Angedenkens möchte der Verf. die beiden eigentlich anstehenden Jubilare des Dreikaiserjahresjahrgangs 1888, die zwei politisch so gegensätzlich gesonnenen Herren Wilhelm Murr (*16.Dezember 1888 in Esslingen, Gauleiter und Reichsstatthalter in der Villa Reitzenstein, +14.Mai 1945 in Egg in Vorarlberg durch Selbstmord) und Dr. Friedrich Wolf (*23.Dezember 1888 in Neuwied, Arzt und Schriftsteller in der Zeppelinstraße, +5.Oktober 1953 in Lehnitz bei Berlin an Herzinfarkt, Vater des Stasihäuptlings Markus W. 1923 Hechingen – 2006 Berlin und des Filmregisseurs Konrad W. 1925 Hechingen – 1982 Berlin) stillschweigend übergehen und angesichts so vieler und überaus positiefer Leserreaktionen lieber nochmals an die vorangegangenen Jubilare Heuss und Stuhlinger erinnern.

So hat sich beispielsweise kein Geringerer als der erste bundesdeutsche Weltraumfahrer Ulf Merbold gemeldet und unter anderem geschrieben: „Über Ihre Würdigung Ernst Stuhlingers habe ich mich sehr gefreut. Mit ihm habe ich viele Stunden zugebracht, um über die Zukunft der Raumfahrt nachzudenken und zu diskutieren. Mehrfach hatte er mich aber auch zu Tee oder zu einem Glas Wein zu sich nach Hause eingeladen. Jede Minute – ein Gewinn. Traurig bin ich, weil wir beide es nicht geschafft haben, miteinander im Segelflugzeug zu fliegen. Ich hatte es ihm versprochen.“ Alle weiteren Schreiber/innen rühmen ebenfalls die bei so viel pfauenhafter Prominenz und Wichtigtuern heutzutage bemerkenswerte und außergewöhnliche Liebenswürdigkeit, Freundlichkeit und Bescheidenheit dieses weltbewegenden Weltraumpioniers. Und über einen bekannten Stuttgarter Wohltäter schweizerischer Nation war zu erfahren, dass die einer elektrotechnisch hochbegabten Gelehrtenfamilie der TH Stuttgart und dem Inflationsjahrgang 1923 entstammende Witwe Irmgard Stuhlinger, des schönen Liedes „I came from Alabama“ eingedenk, immer wieder aus Huntsville einfliegt und die alte Heimat und ihren Bruder, den Arzt Dr. Werner Lotze in Vaihingen auf den Fildern, besucht.

Die hier zu dessen 50.Todestag abgedruckten persönlichen Erinnerungen an den Degerlocher Mitbürger und Vetter Theodor Heuss haben Frau Dr. Karin Haug vom SWR spontan bewogen, selbige ihrem Landesschaubeitrag von der Kranzniederlegung des Christian-Wulff-Nachfolgers Joachim Gauck auf dem Waldfriedhof hinzuzufügen. Was die natürliche Folge hatte, dass sich zahlreiche Leser und Zuschauer beiderlei Geschlechts gemeldet haben, um Näheres über ihre eigene Verwandtschaft mit „Papa Heuss“ zu erfahren. Im Hinblick auf seinen mittlerweile ohnehin nicht mehr zu bewältigenden Postberg bittet der Verf. inständig darum, selbige genealogische Beziehungen selber in dem Aufsatz des Metzinger Stadtarchivars Rolf Bidlingmaier „Vorfahren des Bundespräsidenten Theodor Heuss auf den Fildern“ im Dezemberheft 1992 der „Südwestdeutschen Blätter für Familien- und Wappenkunde“ im Lesesaal der Landesbibliothek gebührenfrei nachzulesen…

Dann war unter den Käufern von Raffs neuestem (hochdeutschem) Benefizbestseller am Stand von „Weihnachtsmann & Co“ auch Theodors freundlicher Haus- und Hoffriseur, der Herr Herbert Nemluwil aus Gerlingen, der dem vormaligen Staatsoberhaupt seit 1959 und bis zuletzt die schönen Haare geschnitten hat und noch etliches über dessen durch die schädliche Raucherei schwer getrübten letzten Lebensabschnitt zu berichten weiß…

Und der nicht nur von Verlegern wie Josef Eberle und Dieter von Holtzbrinck hochgeschätzte Dieter Mauz, Enkel von Familie Heussens Brackenheimer Dienstmädle und Noch-Inhaber des traditionsreichen Antiquitätengeschäfts Schaible, vormals im Hegelhaus, nunmehr in der Eberhardstraße 6, hat dem Verf. einen eigenhändigen Brief vom 1.September 1949 (zehnter Jahrestag des Kriegsausbruchs) des zwölf Tage danach in Bonn zum Bundespräsidenten gewählten damaligen Bewohners des hiesigen Hauses Löwenstraße 86 an seinen (in so mancher schönen Heuss-Anekdote verewigten) Persönlichen Referenten Hans Bott (aus dessen Nachlass) geschenkt. Dankschee, und ein kleiner Hinweis an die möglicherweise dafür dankbare autochthone Leserschaft: Bei dem am 130. Geburtstag von Theodor Heuss endenden Räumungsverkauf (wg. Geschäftsaufgabe aus Altersgründen) sind noch weitere derartige Raritäten der Stuttgarter Stadtgeschichte zu haben…

Und noch was: Nachdem das derzeitige Stuttgarter Stadtoberhaupt die Suche nach dem gemopsten Mops auf dem Loriot-Denkmal am Eugensplatz zur Chefsache erklärt hat, besteht wieder Hoffnung, dass das bereits 2007 gestiftete und trotz mehrfachen Mahnens von der vorigen Administration vertranfunzelte doiiitsch-fransööösische Denkmal in Stuttgarts Partnerstadt Straßburg zum 100.Hochzeitstag des vom späteren Friedensnobelpreisträger Albert Schweizer getrauten nachmaligen Stuttgarter Ehrenbürgers Theo mit seiner elsässischen Elly doch noch Wirklichkeit werden könnte….

Uich älle en scheene Christtag! Ond bleibet/werdet xond!

Raffs Raritäten CCCXXXII

Elly & Theodor

Zum 50.Todestag von Elly Heuss-Knapp erinnerte Dr. Raff an die Degerlocher Jahre des ersten deutschen Bundespräsidenten und seiner Gemahlin.

Des sei a ganz liebs ond freundlichs Weib gwä, hat mei Dote Aline emmer verzählt, dui hat schräg vis-à-vis von ihr en dr Löwestraß gwohnt ond a Conditorei ghet. Ond a ganz gscheite Frau sei se gwä, dui Elisabeth Eleonora Anna Justine Heuss-Knapp, genannt Elly. Koi Wonder, ihr Vatter isch a berühmter Professer gwä für Nationalökonomie ond ihr Großvatter a berühmter Chemiker, ihr Muetter aber isch a Adelige aus Georgien gwä.

Ond se hat ihren zwangsweise stellungslose Theodor die ganze lange tausend Jahr von 1933 bis 1945 als Werbetexterin für Nivea-Crem, Kaffee Hag ond Knorr-Suppe durchgfuetteret. Ond em Sommer 1945 send se von Handschuhsheim bei Heidelberg uff hie nach Degerloch zoge. Ond er isch Kultminister (ohne US!) worde ond äll Morge mit dr Straßebah oder dr Zahradbah ens Gschäft gfahre.

Ond isch en Degerloch so richtig drhoim gwä. Denn sei Vatter isch wohl vom Onterland, aber scho seim Vatter sei Muetter isch vo hie. Ond wer’s net glaubt, der soll’s halt beim Heuss selber en seine Jugenderinnerunge „Vorspiele des Lebens“ nachlese: „Eine in ihrem Gesamtumfang noch unveröffentlichte schwäbische Genealogie, die über die Großmutter Kallenberger auf die Filder und nach Degerloch führt, hat mich beinahe eingeschüchtert, denn nun drängen sich, von dem württembergischen Kernland aus, die ‚Vettern’ mit Namen: Gustav Schwab und Karl Gerok, Gustav Schmoller und Gustav Rümelin, Julius Haußmann und Max Eyth, Friedrich Theodor Vischer und Ottilie Wildermuth, Georg Herwegh und Karl Mayer, Philipp Matthäus Hahn und Gustav Werner, Wilhelm Maybach und Ernst Heinkel – es hört gar nicht auf. Völlig ahnungslos bin ich in die eigentümlichste, so kontrastreiche wie anregende Gesellschaft geraten.“

Ond der Rolf Bidlingmaier, der jonge Stadtarchivar von Metzinge, hat en seim Uffsatz „Vorfahren des Bundespräsidenten Theodor Heuss auf den Fildern“ em Wirtebergische Genealogeblättle 1992 nachgwiese, dass der dank Degerloch sogar fürstlichen Geblütes isch: über sei Urahne Eva Raffin (+1611, „an der Pest“), Ehefrau vom Magister Christophorus Raffius (+1591, „Ahnherr von Bauern, Bundespräsidenten und Königen“), stammt er von de Grafe von Wirteberg ond damit automatisch von dene Kaiser ond Keenich von ganz Europa ab.

Seit jetz bald 40 Jahr isch emmer wieder en dr Zeitong gfordert worde, dass an des Haus en dr Löwestraß 86 a Täfele nakomme soll, aber weder dr Klett, noch dr Rommel oder dr Schuster hend gfolgt. Jetz aber zom 50.Todestag von dr Elly hat sich dui Verwandtschaft mit Albert Schweitzer (wo oft ond gern nach Degerloch komme isch) gsait: „Was nicht zur Tat wird, hat keinen Wert!“ Ond dui Schwiegertochter vom Bosch seim Schwiegersohn Dr.Otto Fischer, onser Bäsle Sibylle Fischer aus Ludwigsburg, hat dui Tafel gstiftet, dr Markus Wolf aus Plieninge hat se gmacht ond dr Rudolf Metzger, dr Chef von dr Gießerei vom Gottlieb Daimler en Mettinge, hat se omesonst gosse. Ond der jonge Schreiner Matthias Schwandner hat den brüchige Holzzau vor dem Haus wieder schee hergrichtet, zom Nulltarif. Dank schee!

Ond der freundliche Dr.Thomas Hertfelder vom Heuss-Haus uffm Killesberg hat dui Feier(halbe)stond organisiert ond morge am halb viere, da wird dui Bronzetafel eigweiht, ond jeder därf komme, net bloß die Großkopfete, ond dui Frau Stadtschultheiß Gabriele Müller-Trimbusch, dui Frau Anne Schilling vom Müttergenesungswerk ond der Enkel Dr.med. Ludwig-Theodor Heuss aus Basel schwätzet a bißle ebbes. Ond dr Degerlocher Posaunechor spielt des gleiche Lied, was sich des Ehepaar Heuss als Ständle gwönscht hat, wie se anno 49 vo hie uff Bonn zoge send: „Preisend mit viel schönen Reden“.

Ond inskünftig woiß jetz jede(r), wo an dere Löwestraß 86 vorbeikommt:

„IM ERDGESCHOSS DIESES HAUSES/ WOHNTEN VON 1945 BIS 1949/

THEODOR HEUSS/ BRACKENHEIM 1884-1963 STUTTGART/ MITGLIED DES REICHSTAGES/ KULTMINISTER VON WÜRTTEMBERG-BADEN/ MITGLIED DES PARLAMENTARISCHEN RATES/ ERSTER PRÄSIDENT DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND/ UND SEINE IHM 1908 VON ALBERT SCHWEITZER/ ANGETRAUTE EHEFRAU/ ELLY HEUSS-KNAPP/ STRASSBURG 1881-1952 BONN/ GRÜNDERIN DES MÜTTERGENESUNGSWERKES.“

Raffs Raritäten CCCCXI

Honoriger Heuss

Dr. Raff erinnerte an Theodor Heuss. Der erste Präsident der Bundesrepublik Deutschland erhielt die Ehrenbürgerwürde der Stadt Stuttgart verliehen.

Mir Wirteberger hend dem deutsche Vatterland bis jetz zwoi Fönf-Sterne-Bundespräsidente gschenkt, den Theodor Heuss (von 1949 bis 1959) aus Brackeheim ond den Richard Freiherr von Weizsäcker (von 1984 bis 1994) aus Stuegert. Ond weil se boide so Prachts- ond Hauptkerle gwä send, hat mr se au zu Ehrebürger vo Stuegert gmacht. Vor fuffzich Jahr onsern Freund, Vetter ond Landsmann Heuss zu seim 70.Geburtstag am 31.Januar.

Bereits am 25.Januar hat dui Stuegerter Zeidong den gscheite Kerle willkomme ghoiße mit ebbes ganz Bsondrem, dem ällererste ladeinische Gedicht vom Herr Chefredaktör Josef Eberle. (Der hat’s dadruff na so richtig verschmeckt ond statt wie seither als Sebastian Blau uff schwäbisch, hat der drnach als Josephus Apellus uff ladeinisch dichtet ond isch mit dr Zeit „der bedeutendste lateinische Dichter der Gegenwart“ worde). Ond des Poem hoißt:

SALVE

MACTE PATER PATRIAE!

AVE THEODORE!

VRBS EXSVLTAT LAVDANS TE

SVEVO SVAVI ORE.

DIGNVS ES HONORVM BIS:

CIVIVM EXEMPLVM

AC ORNATOR LITTERIS

INTELLECTVS TEMPLVM

VIR QVEM AMANT LITTERAE

NON ERAT IN AEVIS

PRAESVL REI PVBLICAE

NEC CVM SVIS SVEVIS.

(Dui Übersetzung, hat dr Herr Professer Eberle seinerzeit gmoint, ka sich „aus Platzgründen der des Lateinischen unkundige Leser beim Herrn Pfarrer oder Herrn Lehrer oder notfalls beim Verfasser selber besorgen“).

Am gleiche Tag hat der „Baureschultes“ Arnulf Klett dem Bundespräsidente den Grabstoi für „seine ihm 1908 in St.Thomas zu Straßburg von Albert Schweitzer angetraute Ehefrau“ Elly Heuss-Knapp uff ihrem Ehregrab em Waldfriedhof gschenkt, ond dr Theodor hat gwißt, ame scheene Tag leget se mi drnebe na.

Am Tag druff hat dr Klett em Kursaal en Cannstatt „das Schönste und Höchste“ verliehe, „was eine deutsche Stadt einem deutschen Mann schenken kann, den Ausdruck herzlicher Verbundenheit und verehrender Liebe“: dui Ehrebürgerschaft. Ond dui Urkunde hoißt so:

„Die Stadt Stuttgart verleiht durch Beschluß ihres Gemeinderats Bundespräsident Professor Dr. Theodor Heuss, dem wackeren Schwaben, dem treuen Hüter des geistigen Erbes unserer Ahnen, dem mutigen Kämpfer für Demokratie in Freiheit, dem Wegbereiter eines friedlich geeinten neuen geistigen Deutschland, aus Anlaß der Vollendung seines 70.Lebensjahres das Ehrenbürgerrecht in dankbarer Anerkennung seiner geschichtlichen Leistung für Heimat und Vaterland. Stuttgart, den 31.Januar 1954. Der Oberbürgermeister.“

Ond am gleiche Tag verleiht der Rektor von dr Technische Hochschuel Stuegert, der Professer Rolf Gutbier, „auf einmütigen (!) Beschluß des Großen Senats Herrn Bundespräsidenten Professor Dr. rer. pol. und D. theol. h. c. Theodor Heuss, der durch hervorragende Werke über bedeutende Ingenieure und Künstler die Wissenschaft bereichert und die Technik gefördert hat, der in sich selbst die Idee des Staatsmannes in einer für immer vorbildlich bleibenden Weise verwirklicht und den die Technische Hochschule Stuttgart mit Stolz zu ihrem Lehrkörper zählt, die Würde eines Dr.-Ing. E. h.“

So hoch geehrt isch’r wieder ens Gschäft nach Bonn gange ond hat sei Sach wonderbar gschafft, bis se no den begnadete Komi- ond Rhetori-ker Hei-ni Lüb-ke aus dem Sauerland als Präsidente naglasse hend, ond am 16.September 1959 isch dr Theodor en sei neus Häusle em Feuerbacher Weg eizoge.

Vier Tag druff isch sei zwoi Jahr älterer Brueder, der Professer Dr. Hermann Heuss, wo seit 1949 em Theo seim alte Häusle en dr Degerlocher Löwestraß gwohnt hat, beim Spazierelaufe vome Stuegerter Motorradfahrer beim Übergang an dr Reutlenger Straß totgfahre worde.

Vier Jahr druff, am 12.Dezember 1963 isch no au dr Theodor als letzter von dene drei Heuss-Buebe gstorbe, ond mr hat ihn en heimatlicher Erde, bei seine Degerlocher Vetterle ond Vorfahre vergrabe.

 

 

Raffs Raritäten DX

„So bist du mir Heimat geworden“

Dr. Raff erinnerte an Elly Heuss-Knapp. Die Frau des ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss wurde 1881 in Straßburg geboren.

Dui Elly hoißt eigentlich Elisabeth Eleonore Anna Justine ond isch am 25.Januar 1881 a Dreiviertelstond nach Mitternacht en Straßburg uff d’Welt komme. En dere (seit dem gwonnene Siebzger Krieg wieder amol deutsche) Stadt isch ihr Vatter Georg Friedrich Knapp a berühmter Professer für Nationalökonomie gwä, ond der hat a „Mädchen aus Morgenland“ zom Weib ghet, sei Lydia, geborene von Karganow, a Offizierstöchterle aus georgischem Adelsgschlecht, wo bei ihm en dr Vorlesung ghockt isch, ond dere ihr Muetter isch sogar a Fürstin Bebutow. Ond bald druff isch dui Lydia krank worde, ond dui Elly isch zu ihrem Großvatter komme nach Braunschweig, zu dem Chemiker ond Geheime Rat Friedrich Ludwig Knapp, dem sei Weib isch a Schwester gwä vom Suppewürfel- ond Konstdöngererfinder Justus von Liebig. Ond dort em Braunschweiger Dom isch se au daift worde. Ond an dem Großvatter isch se seiner ond ihrer Lebtag lang arg ghangt.

Wieder drhoim en Straßburg därf se no uff a Privatschuel für höhere Töchter, aber des meiste kriegt se doch in ihrem Elternhaus mit, wo so viele gscheite Leut aus- ond eiganget, ond se schreibt amol: „Ich habe sehr wenig aus Büchern gelernt, aber umso mehr von bedeutenden Menschen. Das ist ein Glück, für das man nie genug danken kann.“ Ond mit achtzehn macht se ihr Exame als Lehrerin, ond anno 1900 gründet se mit andere gscheite Fraue dui erste „Fortbildungsschule für Mädchen“ en Straßburg ond schafft dort, bis die Weibsbilder endlich au studiere därfet. Ond anno 1905 goht se an dui (von der guten ond gscheiten Mechthild von der Pfalz 1457 gegründete) Universität Freiburg em Breisgau ond studiert Volkswirtschaft. Wechselt aber bald druff nach Berlin ond trifft dort bei dem hochverehrte „Pfarrer, Politiker und Sozialreformer“ Friedrich Naumann den drei Jahr jöngere Theodor Heuss aus Heilbronn. Ond die zwoi Studente schreibet sich jetz so scheene Liebesbrief, ond wer will, ka die sogar nachlese: „So bist Du mir Heimat geworden. Eine Liebesgeschichte in Briefen aus dem Anfang des Jahrhunderts“ (Stuttgart 1986). Ond am 11.April 1908 traut der (spätere Friedensnobelpreisträger) Albert Schweitzer die zwoi Glückliche en dr Wilhelminerkirch en Straßburg.

Anno 1910 em August kommt no ihr erstes ond oinziges Kend uff d’Welt, der Ernst Ludwig, ond an dere Geburt wär se fast gstorbe. Ond em September erscheint ihr erstes Buech „Bürgerkunde und Volkswirtschaftslehre für Frauen“ ond wird glei a Bestseller. Ond jetz könnt ond müeßt mr dui ganz Zeidong da fülle, mit dem, was dieses gscheite, fleißige ond au fromme Weibsbild älles gschafft, gleistet ond bewirkt hat als „Sozialreformerin – Publizistin – Webefachfrau – Politikerin – First Lady“. Am beste, Ihr ganget en des Theodor-Heuss-Haus uffem Killesberg em Feuerbacher Weg 46 ond gucket Euch dui Ausstellung a ond nemmet dort des ausführliche Gedenkblatt von dr Elly mit.

Deshalb hier bloß soviel: Anno 1912 zieget se mitnander uff Heilbronn, anno 1918 wieder uff Berlin. Ond se schafft sich für ihr Vatterland ond ihr Frauebewegung schier z’tot ond holt sich mit dr Zeit a Herzleide. Ond no kommt der Hitler an dui Macht, ond ihr Theodor verliert deswege sei Gschäft, ond jetz därf ond mueß sui dui Familie alloi durchfuettere, ond se macht jetz Werbung für älle mögliche Firme ond Sache wie Persil ond Nivea ond Knorr-Suppe ond Erdal-Schuehwichse ond woißnetwasälles. Ond anno 43 verzieget se wege dene viele Luftagriff weg von Berlin nach Heilbronn ond schließlich nach Handschuhsheim bei Heidelberg. Ond dort isch no dr Krieg aus gwä. Ond no holet se den Theodor als Kultminister nach Stuegert ond se zieget jetz uff Degerloch en dui Löwestraß 86. Ond anno 46 kandidieret boide für dui DVP (jetz F.D.P.) ond werdet äll zwoi en den erste wirtebergisch-badische Landtag gwählt.

Mittlerweil hat sich aber der Theodor au en Bonn so en guete Name gmacht en dem Parlamentarische Rat, dass der Rheinländer Adenauer den Neckartäler Heuss zom Bundespräsidente vorschlägt. Ond am 12.September 1949 isch’s soweit: dui Elly wird dui ällererste „First Lady“ von dere frische Bundesrepublik Deutschland. Ond se zieget von Degerloch weg nach Bad Godesberg, ond am Theodor seim 66.Geburtstag wird ihr so segensreiches „Deutsches Müttergenesungswerk“ gstiftet.

Aber der ganze Staatszirkus wird mit dr Zeit z’viel für ihr schwaches Herz, ond am 19.Juli 1952 stirbt se en Bonn en dr Universitätsklinik. Ond sui hat selber wölle, dass se wieder uff Degerloch kommt, uff de Waldfriedhof. Ond seit 1963 isch au ihr „lieber Dorle“ wieder bei ihr.

 

Raffs Raritäten DCXXI

Theodor Heuss hält Hochzeit mit Elly Knapp

Dr. Raff erinnerte an Elly Knapp und Theodor Heuss. Der spätere Friedensnobelpreisträger Albert Schweitzer hat das Paar 1908 in Straßburg getraut.

Des Jahr 1908 isch net bloß a Katastrophejahr gwä (Zeppelin Echterdenge, Eigmeindong Degerloch, etc.) sondern au a Glücksjahr für onsern Degerlocher Mitbürger, Freund ond Vetter Theodor Heuss. Ond wenn onser scheene Gedenktafel vom Markus Wolf net uff dem Amtsweg zwischen dem „neuen Herzen Europas“ ond der „Europastadt Straßburg“ – zwische Stuegert ond seiner Partnerstadt- verschimmelt ond verscholle wär, könntet die Leut an dere Straßburger Hochzichskirch en zwoi Sprache lese:

 

IN DIESER KIRCHE

WURDEN VON DEM SPÄTEREN

FRIEDENSNOBELPREISTRÄGER

ALBERT SCHWEITZER (1875-1965)

AM 11. APRIL 1908 GETRAUT

DIE STRASSBURGER

PROFESSORENTOCHTER

ELLY KNAPP (1881-1952)

UND DER NACHMALIGE

ERSTE PRÄSIDENT DER

BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND

THEODOR HEUSS (1884-1963)

 

>SO BIST DU MIR HEIMAT GEWORDEN<

 

Wie aber kommt der Jong vom Heilbronner Stadtbaumeister Louis Heuss (1853-1903) an des Mädle von dem „namhaften Nationalökonomen“ Georg Friedrich Knapp (1842-1926) en Straßburg. Ganz oifach: Er, dr Theodor, hat grad ausstudiert ond sein Dokter gmacht ghet ond en Berlin als Redakteur gschafft bei dem „Pfarrer, Politiker und Sozialreformer“ Friedrich Naumann (1860-1919). Sui, dui Elly, isch mit dr halbe „Berliner Universitätsaristokratie der Kaiserzeit“ verwandt gwä ond hat a Semester lang an dr Spree studiert, nadierlich au Nationalökonomie. Ond dort beime Vortrag em Haus Naumann em Spätjahr 1905 send sich die zwoi des erste Mal über de Weg gloffe. Ond seit sui Ende März 1906 wieder hoim isch nach Straßburg, hend se sich so richtig goldige Liebesbrief gschriebe, ond wer will, ka die (ganz leicht zensiert) sogar nachlese: „So bist Du mir Heimat geworden. Eine Liebesgeschichte in Briefen aus dem Anfang des Jahrhunderts.“Zerst send die Brief vom „lieben Dorle“ an dui „liebe Elli“ ond retour no a bißle arg steif, ond se bleibet au no a ganz Jahr beim „Sie“. Erst wie sui em März 1907 wieder für a paar Woche nach Berlin kommt, saget se „Du“ zuanander ond verlobet sich sogar hählenge. Ond wie sui Mitte April wieder hoim mueß mit dr Eisebah, da hockt er am Schreibtisch ond „überlegt, durch welche Gegenden du jetzt fährst.“ Ond hat glei so a Hoimweh ond Sehnsucht nach ihr, dass’r uff dr Stell en Brief schreibt ond ihr verratet: „O Elli, ich hab’ Dich ja so lieb, und ich kann noch gar nicht sagen, wie froh und reich und glücklich und ruhig Du mich gemacht hast. Nun weiß ich ein Ziel und eine Stütze, und die führen mich sicher und stark aus der Blüte zur Reife. Und dann zwingen wir zusammen das Leben und bauen uns ein stolzes und reines Glück.“

Ond sui hat ihm glei zrückgschriebe: „Ich bin ganz bei Dir, Goldener! Fühlst Du’s?“ Ond hat ihn „zu Weihnachten“ nach Straßburg eiglade: „Dann sagen wir’s dem Papa und dann dem Naumann.“ Ond jetz isch dui Reichspost richtig reich worde an dene zwoi, fast jeden Tag hend se anander gschriebe ond wie lieb, ond zom Christtag kommt er endlich für a paar Tag nach Straßburg. An Silvester aber isch’r scho wieder en Berlin ond muess schaffe. Ond jetz wird dui ganz Hochzich mit älle Einzelheite bis zur Tischordnung „auf postalischem Wege“ vorbereitet

Ond am Karsamstich isch’s no soweit: Am halb zehne „Ziviltrauung“ ond am zwölfe „Trauung in der Kirche“. Ond se versprechet vorem Herrgott ond dem Pfarrer Albert Schweitzer, daß se beinander bleibet „in guten wie in bösen Tagen bis dass der Tod Euch scheidet.“ Ond so hend se’s no au ghalte, ond wie anno 33 die „bösen Tage“ komme send, wär der guete Kerle verhongret, wenn’r sei Elly net ghet hätt. Ond als Dankschee wird se am 12.September 1949 dui ällererste „First Lady“ von dere nagelneue Bundesrepublik Deutschland.

Ond am Theodor seim 66.Geburtstag isch ihr segensreiches „Deutsches Müttergenesungswerk“ gstiftet worde. Aber der ganze Bonner Staatszirkus isch z’viel für ihr schwaches Herz, ond am 19.Juli 1952 hat dr Tod die zwoi viel zu bald gschiede. Aber scho anno 63 hat’r die zwoi wieder zammebracht uffem Degerlocher Waldfriedhof. Ond jetz hoffet mr halt herzinniglich, dass wenigstens zom Theodor seim 125.Geburtstag, am 31.Januar 2009, dui von dr Degerlocher Verwandtschaft gstiftete Gedenktafel en Straßburg hangt…

 

Raffs Raritäten DCXXXXIV

„Zuweilen muß einer da sein, der gedenkt“

 

Dr. Raff erinnerte an den Dichter Albrecht Goes und seinen Vetter Paul Goes (Landrat in Göppingen).

Es haben wohl viele Leser im stillen Kämmerlein sich und etliche auch den Verfasser höchstpersönlich gefragt, ob das mit den „über 80 Denkmälern und Gedenktafeln“ stimmen könne, die da im Laufe der Jahre als Nebenprodukte von „Raffs Raritäten“ in halb Europa entstanden sein sollen. Ja, das stimmt. Da wir aber hier nicht den Platz haben, um diese fast sieben Dutzend zumeist von Markus Wolf geschaffenen Werke alle einzeln aufzuzählen, müssen wir uns auf die paar Denkmäler des vierten Vierteljahres des „annum Domini MMVIII“ exemplarisch beschränken und sie diese halt auf die ganzen Jahre hochrechnen.

Der dem Verfasser zwei Jahrzehnte lang freundschaftlich verbunden gewesene Dichter Albrecht Goes (1908-2000) hat einmal geschrieben: „Zuweilen muß einer da sein, der gedenkt.“ Wir müssen diesen Satz im Hinblick auf die hie und da allübermächtige Bürokratie und ihr Lamaphlegma ergänzen: „Denken ist Glücksache. Gedenken aber auch…“ So hat Albrecht Goes zwar mittlerweile problemlos Wolfsche Denkmäler an seinem Geburtshaus in Langenbeutingen, an seinem Wohn- und Sterbehaus in Rohr, am Albrecht-Goes-Platz in Stuttgart und den von Richard von Weizsäcker gestifteten Gedenkstein am Pfarrhaus von Gebersheim erhalten, die termingerecht zu seinem 100.Geburtstag am 22.März vorgesehene Bronzetafel für das Tübinger Stift kann aber erst mit achtmonatiger Verspätung am 14.November enthüllt werden. Ebenso wird diesen Herbst noch die seit Jahren fertiggestellte Tafel für „die schwäbische Geistesmutter“ Regina Burckhardt-Bardili (1599-1669) und ihren Bruder, den Kanzler Andreas Burckhardt (1594-1651), den „Retter des Lands im großen Krieg“, an deren unterdessen dankenswerterweise von Herrn Oberbürgermeister B. Palmer wieder hergerichtetem Tübinger Geburts- und Wohnhaus angebracht werden.

 

Raffs Raritäten DCLX

Lieber Landsmann, hochgeschätzter Herr Vetter Heuss!

Dr. Raff erinnerte an den in Brackenheim geborenen ersten Bundespräsidenten und Stuttgarter Ehren- und Degerlocher Mitbürger Theodor Heuss.

Lieber Vetter Theodor!

Zu Deinem 70. Geburtstag vor 55 Jahren hat die Stadt Stuttgart Dir, „dem wackeren Schwaben, dem treuen Hüter des geistigen Erbes unserer Ahnen, dem mutigen Kämpfer für Demokratie in Freiheit, dem Wegbereiter eines friedlich geeinten neuen geistigen Deutschland“ mit vollem Recht das Ehrenbürgerrecht verliehen und Deiner Elly und Dir zur Feier des Tages den Grabstein auf dem Waldfriedhof geschenkt. Und der Herr Josef Eberle, der Mitbegründer, Herausgeber und Chefredakteur dieses vorliegenden Intelligenzblattes, hat Dir als ganz besonderes Geburtstagspräsent sein allererstes lateinisches Gedicht verfasst:

„SALVE

MACTE PATER PATRIAE!

AVE THEODORE!

VRBS EXSVLTAT LAVDANS TE

SVEVO SVAVI ORE.

DIGNVS ES HONORVM BIS:

CIVIVM EXEMPLVM

AC ORNATOR LITTERIS

INTELLECTVS TEMPLVM

VIR QVEM AMANT LITTERAE

NON ERAT IN AEVIS

PRAESVL REI PVBLICAE

NEC CVM SVIS SVEVIS.”

Und als Du im September 1959 Dein Bonner Amt dem Heini Lübke, jenem begnadeten Gründer der gleichnamigen, auch heute noch stilbildenden Rhetorikerschule aus dem Sauerland, überlassen hast und Du in Dein Häusle auf dem Killesberg gezogen bist, da haben Dir Deine Stuegerter einen Empfang bereitet wie später nur noch dem Charles de Gaulle (Vorfahren aus dem Ammertal), der Elizabeth II. (Oma Queen Mary von Teck) und den Klinsmännern. Und grad so war’s ja dann auch bei Deiner schönen Leich im Dezember 1963, als man Dich in Degerlocher Heimaterde beim vorangegangenen Freunde Robert Bosch beigesetzt hat

Du hast ja in Deinen Jugenderinnerungen „Vorspiele des Lebens“ selber geschrieben: „Eine in ihrem Gesamtumfang noch unveröffentlichte schwäbische Genealogie, die über die Großmutter Kallenberger auf die Filder und nach Degerloch führt, hat mich beinahe eingeschüchtert, denn nun drängen sich, von dem württembergischen Kernland aus, die ‚Vettern’ mit Namen: Gustav Schwab und Karl Gerok, Gustav Schmoller und Gustav Rümelin, Julius Haußmann und Max Eyth, Friedrich Theodor Vischer und Ottilie Wildermuth, Georg Herwegh und Karl Mayer, Philipp Matthäus Hahn und Gustav Werner, Wilhelm Maybach und Ernst Heinkel – es hört gar nicht auf. Völlig ahnungslos bin ich in die eigentümlichste, so kontrastreiche wie anregende Gesellschaft geraten.“ Und dank dem rührigen Rolf Bidlingmaier, Stadtarchivar von Metzingen, und seiner Abhandlung „Vorfahren des Bundespräsidenten Theodor Heuss auf den Fildern“ hast Du posthum erfahren, dass Du – wie übrigens auch Dein Kollege Weizsäcker – ein Nachkomme jenes 1591 verstorbenen und in der Degerlocher Michaelskirche ruhenden „Magister Christopherus Raphius, Nagoltensis“ bist, jenes fruchtbaren „Ahnherrn von (Degerlocher) Bauern, (deutschen) Bundespräsidenten und (dänischen) Königen“. Und dass dessen 1611 an der Pest verstorbene Ehefrau Eva Dir mit ihrer hochfürstlich wirtembergischen Abstammung fast sämtliche deutschen Kaiser und europäischen Könige des Mittelalters auf Deine Ahnentafel gebracht hat.

Und deshalb ist meine Patentante, die „Dote Aline“ ja auch so ein „Bäsle“ von Dir gewesen, aus deren Konditorei in der Löwenstraße 83 Deine Elly immer ihre Kuchen, Torten und Hefezöpfe in Euer Haus in der Löwenstrasse 86 holte, und die Dir bis zuletzt noch äll Christtag die Springerle, Gutsle und Ausstecherle nach Bonn in die Villa Hammerschmidt schicken durfte. Und natürlich auch meine Mutter, vor der Du als Pensionär auf dem Bänkle im Ramsbachtal hockend freundlich grüßend den Hut gezogen hast, als sie dort mit ihrem letzten Degerlocher Kuhfuhrwerk das Heu heimholte.

Und darum hat Dir Deine hiesige Verwandtschaft ja auch die unter Klett, Rommel und Schuster immer wieder vergeblich in Presse und Gemeinderat geforderte Gedenktafel in der Löwenstraße gestiftet termingerecht zum 50.Todestag Deiner Elly. Und im Sommer 2006 kam die schöne Bronzetafel an dem 1892 von Deinem Vater Louis erbauten Heusshaus in Heilbronn in der Lerchenstraße 43 dazu, wo Du und Deine Brüder Ludwig und Hermann die Jugendjahre verbracht haben.

Und jetzt wollten wir Dir auch noch eine Tafel zum 100.Hochzeitstag in Strassburg stiften mit der zweisprachigen Inschrift

„IN DIESER KIRCHE

WURDEN VON DEM SPÄTEREN

FRIEDENSNOBELPREISTRÄGER

ALBERT SCHWEITZER 1875-1965

AM 11.APRIL 1908 GETRAUT

DIE STRASSBURGER

PROFESSORENTOCHTER

ELLY KNAPP 1881-1952

UND DER NACHMALIGE

ERSTE PRÄSIDENT DER

BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND

THEODOR HEUSS 1884-1963

>SO BIST DU MIR HEIMAT GEWORDEN<“

Und wir haben am 1.Januar 2008 in einem schönen Brief das Stuttgarter Rathaus gebeten, uns das ganze damit verbundene Bürokratengeschäft mit der Partnerstadt Straßburg abzunehmen – so wie beispielsweise die Kieler Oberbürgermeisterin Angelika Volquartz (Schwiegermutter des scheidenden Stuttgarter Schauspielhausdirektors v.M.) unsere ihr zugeschickte bronzene Gedenktafel für Carl Friedrich Freiherr von Weizsäcker freudig und völlig unbürokratisch mit einer „sehr, sehr, sehr schönen Feier“ (Zitat: Weizsäcker) an dessen Kieler Geburtshaus angebracht hat. 

Raffs Raritäten DCCXXXV

Das einzige Kind von Mama und „Papa Heuss“

Dr. Raff erinnerte an den in Schöneberg geborenen Widerstandskämpfer Dr. Ernst Ludwig Heuss.

Wie hoffentlich bekannt, hat der spätere Urwalddokter ond Friedensnobelpreisträger Albert Schweitzer (1875-1965) am 11.April 1908 onsern Freund, Vetter ond Landsmann, den promovierte Journaliste Theodor Heuss (1884-1963) mit der Straßburger Professoretochter Elly Knapp (1881-1952) traut. Ond onser Gedenktafel für die drei liebe Leut en Straßburg isch seit bald drei Jahr finanziert ond beatragt, wird aber wohl wg. der schon mehrfach an dieser Stelle gerügten Tranfunzeligkeit der Straßburger Partnerstadt Stuttgart erst am St. Nimmerleinstag dort bei dr Thomaskirch hangen. 

„Es war in Schöneberg im Monat August“ en dr Kaiserliche Reichshauptstadt Berlin, da hat am fönfte Tag ond anno 1910, dui Elly ihr erstes ond oinziges Kend uff d’Welt bracht. Ond des isch so a komplizierte Geburt gwä, dass dui Muetter schier gar dra gstorbe wär. Ond des Büeble hend se Ernst Ludwig daift, aber älle hend ihn „Lulu“ ghoiße nach dere Dichterin ond Heussfreundin Lulu von Strauß und Torney (1873-1956), ond später no „Lutz“. Ond mit dene geniale Gene ond en dem gscheite Milljöh macht der nadierlich nullkommanix Abitur en Berlin ond studiert drnach en Heidelberg Jura ond kriegt 1937 mit dere dank Stuttgart 21 superaktuelle Dissertation „Zulässige und unzulässige Klagen aus Amtspflichtverletzung“ den Dokter jur. uff sei Visitekart nuffdruckt.

Hat selbstverständlich bei some Vatter ond sore Muetter, ond weil’r au selber offe drgege gwä isch, bei dene braune Brüeder koin Poste beim Staat kriegt ond isch deswege en d’Wirtschaft gange. Aber wie no dr Krieg agfange ond fast älles mit Schirmkappe oder mit Stahlhelm hat romdappe müesse, da hend se den uffrichtige jonge Ma doch braucht ond ihn en Berlin zom Chef von dere „Reichsstelle Leder“ befördert. Ond en dere Funktion hat’r viele politisch ond rassisch verfolgte Leut helfe könne. Ond hat au selber „tapfer und todesmutig beim deutschen Widerstand“ mitgmacht onter anderem en dem Kreis om den aus Cannstatt gebürtige, anno 33 als Bürgermeister von Berlin nausgschmissene Fritz Elsas (1890-1945, ombracht em KZ Sachsenhausen) ond om den frühere Leipziger Oberbürgermeister Carl Friedrich Goerdeler (1884-1945, ombracht em Zuchthaus Plötzensee). Ond der Brueder vom Dietrich Bonhoeffer (1906-1945, ombracht em KZ Flossenbürg), der Klaus Bonhoeffer (1901-1945, ombracht uffem Weg vom Gestapogfängnis Lehrter Straße zur Gestapozentrale em Prinz-Albrecht-Palais) isch sei Freund gwä, ond den hätt’r, so wien’r etliche andere Widerstandskämpfer „in den Schlusswirren des Krieges in einer waghalsigen Aktion aus dem Berliner Gefängnis Moabit befreit“ hat, laut Bonhoeffers Witwe au no aus dem Kerker rausgholt, wenn der doch bloß no dren gwä wär…

Nach dem Krieg hat’r em Sommer 45 dui Hanne Elsas, a Tochter vom Fritz Elsas ond glernte Gärtnerin, gheiratet ond 1947 von ihr oi Mädle kriegt, dui Barbara. Ond wie dui Hanna anno 1958 ganz tragisch gstorbe isch, da hat’r em Jahr druff dui Ursula Wolff (1929-2010) gheiratet. Des isch a Tochter gwä von dere Psychologin ond Widerständlerin Annemarie Wolff-Richter (1900-1945, ombracht em KZ Jasenovac). Ond der Professer Helmut Gollwitzer (1908-1993) hat die zwoi traut. Ond anno 1961 isch der Ludwig Theodor Heuss uff d’Welt komme, der schafft jetz als Chefarzt en dr Schweiz ond isch dr Vorsitzende von der von seim Vatter mitgstiftete „Theodor-Heuss-Stiftung“, ond schwätzt grad so schee wie sei Großvatter, wenn dronternei doch amol a Heuss-Denkmal eigweiht wird.

Der Ernst Ludwig Heuss aber, der isch nachm Krieg von Berlin ens Markgräfler Land omzoge ond anno 1946 Direkter ond Chef von dere Halstablette-, Hustebomboles- ond Elmex-Aronal-Zahpastafabrik „Wybert GmbH“ en Lörrach worde. Desell hat eme Basler Vetter von seiner Muetter ghairt, ond für die hat dui Elly scho vorem Krieg Reklame mache därfe („Ob’s windet, regnet oder schneit, Wybert schützt vor Heiserkeit.“) ond hat so ihren „aus politischen Gründen erwerbslosen Ehemann“ Theodor durchgfuettret. So dass der no anno 49 von Degerloch aus nach Bonn gange ond für zehn Jahr a Prachtskerle von Bundespräsident hat werde könne. Ond wie der guete Ma anno 63 hauptsächlich wege seiner viele Zigarrequalmerei uffem Degerlocher Waldfriedhof direkt nebe sei Elly glegt worde isch, hat au ihr gotzigs Kend nemme lang lebe därfe ond isch am 14.Februar 1967 en Lörrach gstorbe ond dort uffem Hauptfriedhof vergrabe worde.

Geschichten aus der Heimat Hassmersheim (Neckar-Odenwald-Kreis)

DHeuss-1er letzte Besuch von Altbundespräsident Theodor Heuss war in Haßmersheim am Ostersamstag, 16. April 1960. Das untere Foto zeigt ihn an der berühmten Neckarfähre.

Haßmersheim

Theodor Heuss wäre am 31. Januar 2014 130 Jahre alt.
Die Heimat seiner Vorfahren, wie Theodor Heuss Haßmersheim gerne nannte, wollte auch an diesem Tag an den ersten Bundespräsidenten erinnern. Kurz benannt: Wer war Theodor Heuss? Geboren wurde er in Brackenheim am 31. Januar 1884, also diese Woche vor 130 Jahren.
Verstorben ist er am 12. Dezember 1963 in Stuttgart.
Warum ist es für uns in Haßmersheim am Neckar (zwischen Heilbronn und Heidelberg) so wichtig an diesen großen
Staatsmann zu erinnern?
Die Vorfahren von Theodor Heuss sind in unserer Region bis auf
Hans Heuß, Reiter (1581) / Amtsknecht v. Umstadt / und von
1598-1602 zu Mosbach benannt zurück zu führen. Hans Heuß
war zweimal verheiratet und von 6 Kindern aus erster Ehe war es
Pleickart Heuß, der in Mosbach geboren wurde und churpfälzischer
Amtsknecht / Schultheiß in Obrigheim (1600-1622) war.
Pleickart legte mit der Pfarrerstochter Phöbe, (Phöbe = „die Strahlende“) die Grundlage zur Entwicklung der „Heuß Dynastie“ aus der Theodor Heuss, unser erster Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland hervor kam.
Ur-Ur-Großvater Benjamin IV Heuß Schiffer, Kirchenvorsteher und Vogt (Bürgermeister von 1822-1837) war eine prägende Persönlichkeit für die Gemeinde Haßmersheim. Erst jetzt konnte der Todestag, Sterbeort und Begräbnisort ermittelt werden. Die Familiengeschichte der Heuß‘ ist in unserem Heimatbuch in mehreren Passagen beschrieben. Das Anwesen der Bürgermeisterfamilie Benjamin IV steht noch heute in der Mittleren Straße und ist zumindest mit den Nebengebäuden bestens erhalten.
Am 31. Januar 2014 gedachten wir gerne an den großen Staatsmann,  und vor allem als Mensch mit Bürgernähe. „Papa Heuss“ wird er deshalb gerne von den Älteren genannt.
Text: Fritz Müßig, Hobbygenealoge und Heimatforscher

Goldene Verdienstmedaille der Stadt Brackenheim und Verleihung der Reinhold-Maier-Nadel an Staatssekretär a. D. Richard Drautz

D1Am 10. Januar 2014 – am Tag des Ehrenamts in Brackenheim – wurde Staatssekretär a. D. Richard Drautz für sein mehr als 25-jähriges ehrenamtliches Engagement als
Vorsitzender des Theodor-Heuss-Freundeskreises Baden-Württemberg e. V.
von Bürgermeister Rolf Kieser mit der Goldenen Verdienstmedaille der Stadt Brackenheim ausgezeichnet.

Am 27. April 2014 wurde dem Vorsitzenden, Staatssekretär a. D. Drautz, von der Reinhold-Maier-Stiftung Baden-Württemberg im Schießhaus Heilbronn vom Vorsitzenden des Verwaltungsrats der RMS, stv. Ministerpräsident und Justizminister a. D., Prof. Dr. Ulrich Goll MdL, die Reinhold-Maier-Nadel verliehen. Die Auszeichnung ist nach dem ersten liberalen Ministerpräsidenten unseres Landes (1945 – 1953) benannt.

2012 erhielt Drautz zudem die Amicus-Wimpinae-Medaille der Stadt Bad Wimpfen.

Herzlichen Glückwunsch und vielen Dank!

Mitgliederversammlung 2013

Im Dezember 2013 fand in Langenbrettach (Kreis Heilbronn) eine eindrucksvolle und sehr gut besuchte öffentliche Veranstaltung zum 50. Todestag von Theodor Heuss statt. Im Hinblick auf die Kassenlage beschloss die Mitgliederversammlung einstimmig, den Mindestbeitrag für natürliche Personen auf 25 € und für juristische Personen auf 50 € festzusetzen. Der Freundeskreis unterstützt das Theodor-Heuss-Museum in Brackenheim mit einem jährlichen Zuschuss in Höhe von 1.000 €.

Siegfried Schilling 100. Mitglied – Walter Scheel Ehrenmitglied im Theodor-Heuss-Freundeskreis Baden-Württemberg e. V.

Ende 2013 – im 25. Jahr des Bestehens des Theodor-Heuss-Freundeskreises Baden-Württemberg e. V. – konnte Vorsitzender Staatssekretär a. D. Richard Drautz den Journalisten Siegfried Schilling aus Flein als 100. Mitglied aufnehmen. Gleichzeitig teilte Drautz mit, dass der Freundeskreis bereits im Sommer 2013 den Enkel des ersten Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland und ersten Bundesvorsitzenden der FDP nach dem zweiten Weltkrieg, Prof. Dr. med. Ludwig Theodor Heuss aus Basel, als Mitglied aufnehmen konnte, worauf der Freundeskreis besonders stolz sei.Urkunde Scheel

 

Am 90. Geburstag

Am 90. Geburstag

 

 

 

 

 

 

Eine große Freude und Höhepunkt in der Arbeit seiner gemeinnützigen und parteiunabhängigen Vereinigung in diesem Jahr war zudem die Berufung von Bundespräsident a. D. Walter Scheel zum (bislang einzigen) Ehrenmitglied. Scheel lebt im Alter von 95 Jahren in Bad Krozingen. Gerne wäre Scheel aus diesem Anlass nochmals nach Brackenheim oder Heilbronn gekommen, so Richard Drautz. Aber sein hohes Alter und die Gesundheit ließen dies leider nicht zu. In Würdigung seines lebenslangen Engagements für das historische, liberale und demokratische Vermächtnis von Theodor Heuss, Friedrich Naumann, Reinhold Maier und Friedrich List habe der Vorstand des Freundeskreises diesen Beschluss aus Anlass seines 25-jährigen Bestehens, das dieser am 17. März 2013 begehen konnte, „mit großer Freude“ und in „Respekt auf die herausragende Lebensleistung von Walter Scheel“ gefasst.

Der Theodor-Heuss-Freundeskreis Baden-Württemberg e. V. fördert nach seiner Satzung ausdrücklich das Andenken an das Vermächtnis von Theodor Heuss und zählt mit Siegfried Schilling rund 100 renommierte Mitglieder aus ganz Baden-Württemberg. Vor allem im vergangenen Jahr ist es gelungen in nahezu allen Kreisen in Baden- Württemberg neue Mitglieder und Freunde für den Freundeskreis zu gewinnen.  Im Dezember 2013 kam es an vielen Orten in ganz Deutschland, insbesondere in Baden-Württemberg, zu Gedenkveranstaltungen im Hinblick auf den 50. Todestag von Theodor Heuss am 12. Dezember 2013. Der Politiker und Staatsmann, Journalist und Literat Theodor Heuss wurde 1884 in Brackenheim geboren, verbrachte seine Jugendjahre in Heilbronn und verstarb 1963 in Stuttgart. In allen drei Städten wurde er zum Ehrenbürger berufen, ebenso in Berlin, Bonn, Darmstadt, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Kiel, Köln, Soest und Trier sowie Olymp (Griechenland).